Braunfels und Umgebung im Outdoor-Zentrum Allendorf

Braunfels/Greifenstein. 'Schneller Adler', 'Singender Vogel' und 'Schlauer Fuchs' - so und ähnlich hießen die 30 jugendlichen Kurzurlauber aus Braunfels und Umgebung, die von Dienstag bis Freitag im Outdoor-Zentrum in Greifenstein-Allendorf (ehemaliger Märchenpark) in das Leben der amerikanischen Ureinwohner eintauchten.

Durch die Zeitschleuse in das Indianerdorf

Vor dem eindrucksvollen Totempfahl versammelt: 30 Braunfelser 'Indianer auf Zeit' mit Ihren Eltern und Betreuern.
Vor dem eindrucksvollen Totempfahl versammelt: 30 Braunfelser 'Indianer auf Zeit' mit Ihren Eltern und Betreuern.

Mit verbundenen Augen begaben sich die Zehn- bis Dreizehnjährigen auf Zeitreise in ein Tipidorf. 'Die Indianer waren gerade dabei, einen Totempfahl zu schnitzen, als sie mit uns Zeit und Raum tauschten', erklärte der Braunfelser Jugendpfleger Johannes Templer seinen Ferienpass-Schützlingen am ersten Tag.

Also hieß es sich einfügen in das Gruppenleben in Indianerzelten inmitten der Natur. Schnell waren Tiere und eine Eigenschaft gefunden, die zu jedem Einzelnen passten. 'Ich heiße 'Singender Vogel', weil ich gerne singe und auch ein Instrument spiele', erklärte die zehnjährige Sarah Steiner aus Niederbiel.

Schlafen im Tipi

'Das Schlafen im Tipi ist total gemütlich', fand 'Schnelles Pferd' Natalie Gath (11) aus Bonbaden, die am liebsten länger geblieben wäre. Holz hacken, Feuer machen und das Gelände kennenlernen gehörten ebenso zum Programm der Indianer auf Zeit, wie die Nahrungssuche und das Fertigstellen und Anmalen des Totempfahls. 'Der Totempfahl trägt das Wappen des Stammes', wusste 'Fliegender Pfeil' alias Max Bender (11) aus Bonbaden zu berichten, Stück für Stück erkundeten Squaws und Krieger ihre Umwelt. Im Wald versteckt waren die Lebensmittel, nach ihren Fundorten zeichneten die Kinder gemeinsam eine Karte des Geländes. Am zweiten Tag wurde es schon schwieriger. Die Nahrungsmittel reichten nicht mehr aus, so die Devise. Also mussten die Mutigsten der Jung-Indianer auf Nahrungssuche gehen und Schluchten und Strickleitern bezwingen. Wer im Tipidorf geblieben war, arbeitete am Totempfahl oder half beim Bauen des 'Fassofens', einer Art Backofen im Erdreich. Fast 120 Kilogramm Steine schleppten die Überlebenskünstler auf einer selbst gebauten Trage herbei, um das Fass rundherum abzudichten. Mit Erde und Rinde wurde das Werk vervollständigt. Ein Feuer zu entfachen war kein Problem, und am Abend buken Nudelgratin und Kartoffeln im Fass, zubereitet aus den Eroberungen der heimgekehrten Jäger. 'Es schmeckte super, aber es war viel zu wenig', meinte der elfjährige Jerome Frohs aus Merenberg.

Teamfähigkeit

'Es war spannend zu sehen, wie die vier Gruppen am Abend zum Palaver am Lagerfeuer zusammenkamen und sich über ihre Erlebnisse austauschten. Die Gruppen übten sich spielerisch in Teamfähigkeit', erklärte Johannes Templer, der von weiteren vier Betreuern aus dem Kinder- und Jugendbeirat und Praktikanten der Stadtverwaltung unterstützt wurde. Orientierungssinn und Teamgeist waren gefragt, als es in roter und blauer Kriegsbemalung und mit einem Lebensfaden versehen in zwei Gruppen in das ganztägige Geländespiel ging.

Das Entdecken und Wiederfinden fremder Plätze, Schätze erobern, das Stammesgebiet aufteilen und einen Häuptling bestimmen - all das gehörte zum anstrengenden Indianerleben und regte Phantasie und Kreativität an. 'Schnellem Adler' Jan Gath (10) aus Schwalbach und 'Lustiger Affe' Sascha Hoffmann (10) aus Braunfels gefiel deshalb das Geländespiel am besten.

Mit den Zehn- bis Dreizehnjährigen habe man eine Altersgruppe ansprechen wollen, die schon fast aus dem normalen Ferienpass-Alter herausfalle, so Templer. Den relativ nahen Ort habe man gewählt, damit die Kinder mit ihren Eltern wieder dorthin könnten. Die Kinder haben hier etwas geschaffen, das fest hier steht wie der Toetempfahl oder der Fassofen, so der Jugendpfleger weiter. Die Dinge seien für die Kinder weiter erreichbar. Templer betonte die gute Kooperation mit dem Braunfelser Forst, der unbürokratisch eine Pappel für den Totempfahl zur Verfügung gestellt hatte. Braunfelser Pfadfinder hatten Material wie Strickleitern und Töpfe ausgeliehen, der Magistrat die Aktion finanziell unterstützt.

Quelle: WNZ - 20.08.2003

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